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Kind auf ein Geschwisterchen vorbereiten

Ein Geschwisterchen zu bekommen, begeistert Kinder nicht immer. Denn die Eltern mit Bruder oder Schwester zu teilen, macht keinen Spaß. Damit keine Eifersucht aufkommt, ist viel Zuwendung wichtig. Übertreiben sollten Eltern es mit ihrer Aufmerksamkeit aber nicht.

Das Kind ist kein Säugling mehr und aus dem Gröbsten raus: Für viele Eltern ein guter Zeitpunkt, um ein zweites Kind zu planen. Vielen stellt sich dann die Frage, wie und wann sie ihren Sohn oder ihre Tochter am besten auf das Geschwisterchen vorbereiten. Denn mit der ungeteilten Aufmerksamkeit der Eltern ist es erstmal vorbei, wenn zwei Kinder nach Mama schreien. "Das ist für das eine oder andere Erstgeborene wie die Vertreibung aus dem Paradies", sagt Hans Dusolt, Leiter der Caritas. Das Kind schon während der Schwangerschaft zu seinem Verbündeten zu machen, kann Eltern helfen, die Situation zu entspannen.

Am meisten Sorgen machten sich Eltern darüber, dass ihr Kind den jüngeren Bruder oder die jüngere Schwester nicht gernhaben und eifersüchtig sein wird, sagt Beate Friese vom Elterntelefon "Nummer gegen Kummer" in Wuppertal. "Diese Reaktionen kann es in der Tat geben. Allerdings kann man das ältere Kind gut auf die neue Situation vorbereiten"

Erstgeborene frühzeitig vorbereiten

Allzu früh sollte man dem Sohn oder der Tochter allerdings nicht sagen, dass Nachwuchs unterwegs ist. "Man sollte die erste Zeit der Schwangerschaft abwarten, bis kein größeres Risiko wie das einer Fehlgeburt besteht", rät Andreas Böhmelt, Familienpsychologe in Münster. Sonst müssten Eltern dem Kind erklären, warum nun erst einmal doch kein Nachwuchs kommt. Man müsse aber nicht warten, bis der Bauch so weit wächst, dass das Kind selbst fragt. "Am besten sagen Eltern ganz klar: 'Ich muss dir etwas ganz Wichtiges sagen. Wie du vielleicht schon bemerkt hast, wird mein Bauch dicker. Das liegt daran, dass da ein Kind drin wächst.'"

Viel mehr müssen Eltern bei diesem ersten Gespräch erst einmal nicht sagen. "Es ist wichtig, das Kind nicht sofort mit zu vielen Informationen zu überhäufen", sagt Friese. Zuerst reiche die Tatsache, dass ein Kind unterwegs ist und man sich darauf freue. Fragten Kinder danach, wie ein Baby entstehe, sollten Eltern dies altersgerecht erklären. "Wenn es nachfragt, sollte man es zwar nicht mit Details zum Geschlechtsverkehr überfordern, es aber auch nicht in Watte packen", sagt Friese. Möglich sind Erklärungen wie: "Wenn Mama und Papa sich ganz doll liebhaben und sehr eng aneinanderkuscheln, dann kann im Bauch der Mama ein kleines Baby wachsen." Dabei könnten auch Kinderbücher zu dem Thema helfen. In denen wird kindgerecht erklärt, wie ein Baby entsteht.

Geschwisterkind miteinbeziehen
Wichtig sei, dass Eltern den Sohn oder die Tochter in die Schwangerschaft miteinbeziehen. Sie können etwa sagen: "Schau mal, mein Bauch wird immer dicker! Magst du ihn mal anfassen?", "Möchtest du mit mir Kleidung für das Baby kaufen gehen?" oder "Ich gehe morgen für eine Untersuchung zum Arzt. Möchtest du mitkommen?". Das alles zeige dem Kind, dass es nicht plötzlich hinten anstehe.

Auch andere Dinge sind entscheidend. Bevor der Nachwuchs kommt, müsse das Kind sich sicher mit seinen Eltern fühlen. Vertrauen sei dabei genauso wichtig, wie das Wissen, ihnen alles erzählen zu können, sagt Dusolt. Mit dieser Gewissheit bekomme das Kind später nicht so schnell den Eindruck, es komme zu kurz.

Dabei kommt es jedoch auf die richtige Balance an, denn Eltern können es mit ihrer Aufmerksamkeit auch übertreiben. "Das Kind muss gelernt haben, auch mal alleine zu spielen, ohne dass die Mutter oder der Vater ständig danebensitzen", sagt Diplompsychologe Dusolt. "Kinder, die immer rundum versorgt und verwöhnt sind, empfinden die Geburt des Babys als umso heftigeren Einbruch." Das passiere seltener, wenn der Sohn oder die Tochter rechtzeitig gelernt haben, auch mal mit kleineren Frustrationen umzugehen.

Positive Veränderungen verdeutlichen

Dennoch kann es das Erstgeborene verunsichern, wenn ein zweites Kind unterwegs ist. "Eltern müssen klarmachen und sagen, dass sie das ältere Kind jetzt noch genauso gern haben wie bisher", sagt Böhmelt, Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Gut sei auch, ihm die positiven Veränderungen zu zeigen, die mit einem kleineren Geschwisterchen einhergehen. "Du hast eine tolle Rolle: Du bist dann der ältere Bruder oder die ältere Schwester, du kannst schon vieles, was das Baby auch noch von dir lernen kann."

Eltern dürften allerdings auch nicht zu viel von sich erwarten. "Man kann seine Zeit und seine Energie nicht verdoppeln, wenn man zwei Kinder hat", sagt Caritasmitarbeiter Dusolt. Daher könnten sie nicht immer vermeiden, dass das Erstgeborene nach der Geburt eines Geschwisterchens auch mal zurückstecken müsse. Allerdings könnten Mutter und Vater diese Situation für die ältere Tochter oder den älteren Sohn abpuffern.

"Es wird sich freuen, wenn es den Vater und die Mutter jeweils immer mal wieder ganz für sich alleine hat. Am besten sind ganz regelmäßige Zeiten, in denen das Baby anderweitig gut versorgt ist", sagt Dusolt. Und wenn es merke, dass es eine wichtige Rolle in der Beziehung zu dem jüngeren Bruder oder der jüngeren Schwester spielt, könne es der Geburt des Geschwisterchens etwas Positives abgewinnen. dpa