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Stillen

Autorin: Regina Masaracchia

Die Ernährungsfrage nach der Geburt ist eine tiefgreifende gesundheitliche und medizinische Entscheidung, sowohl für die Mutter, als auch für das Kind, denn sie bilden auch weiterhin eine Einheit. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich das Fachpersonal seiner Verantwortung bewusst ist und das Stillen fördert. Frauen, die entbunden haben, müssen unterstützt werden, damit jedes Kind die Chance auf die natürliche Nahrung hat, die optimal auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist und ihm den besten Start ins Leben gibt. Muttermilch ist die Standardernährung für ein Kind im ersten Lebensjahr. Ihre Zusammensetzung kann keine künstliche Säuglingsnahrung kopieren. Nicht gestillte Kinder haben auch in westeuropäischen Industrieländern gesundheitliche Nachteile gegenüber gestillten Kindern.

Muttermilch (MM) ist die natürliche und perfekte Nahrung für den menschlichen Säugling. Sie enthält alle notwendigen Nährstoffe, sowie wichtige Antikörper, die wie eine natürliche Schutzimpfung fungieren. MM passt sich den Bedürfnissen des Kindes in jeder Lebensphase an, was ein optimales Wachstum und eine optimale Entwicklung des Kindes gewährleistet. Stillen bedeutet jedoch nicht nur Ernährung, sondern es befriedigt auch andere, wichtige Bedürfnisse, die für seine gesunde körperliche und psychische Entwicklung von größter Wichtigkeit sind. Sowohl WHO/Unicef (2001) als auch die American Academy of Pediatrics (2005) empfehlen, dass Babys bis zum 6. Lebensmonat voll gestillt, dann langsam adäquate Beikost einzuführen, wobei diese die MM ergänzen und nicht ersetzten soll und weiter zu stillen, bis über das 2. Lebensjahr hinaus, so lange es Mutter und Kind wünschen.
 
Weitere Aspekte
Nach der Geburt sollte ein Neugeborenes innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt angelegt werden. Stillen bedeutet ein wieder eins werden mit der Mutter und ist somit äußerst wichtig. Aber auch für die Mutter bedeutet Stillen Gesundheit, denn es unterstützt u.a. hormonell bedingt die Mütterlichkeit, verringert die Gefahr einer postpartalen Nachblutung, verringert das Brustkrebsrisiko und Stress, denn die Nahrung des Babys ist immer dabei, in der richtigen Temperatur, Qualität und hygienisch einwandfrei, zudem kostenlos! Das häufig angeführte Argument, zu langes Stillen verwöhne das Kind und erziehe es zur Unselbständigkeit, ist wider jede Logik, denn ein Kind, das sich geliebt und angenommen fühlt, dass viel Haut-und Körperkontakt hat, wird sich zu einem friedlichen, zufriedenen Menschen entwickeln. Ein Kind, das sich aus eigener Entscheidung heraus abstillen durfte (gewöhnlich im Alter von zwei bis vier Jahren), weiß in diesem Fall, dass es etwas abgeschlossen hat, wozu es innerlich bereit war.
 
Kinder, die nicht während der ersten sechs Monate voll gestillt werden, haben ein erhöhtes Risiko für folgende Krankheiten:
um 40 Prozent für Diabetes Typ I
um 25 Prozent für Übergewicht
um 60 Prozent für Mittelohrentzündungen
um 30 Prozent für Leukämie
um 100 Prozent für Durchfall
um 250 Prozent für Krankenhausaufenthalte in Folge von Atemwegserkrankungen wie Asthma und Lungenentzündungen.
 
Ein nach Bedarf gestilltes Kind behält sein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl. Verglichen mit flaschenernährten Kindern, gestalten gestillte Kinder die Nahrungsaufnahme aktiv mit. Sie ernähren sich dadurch später meistens gesünder und leiden seltener an Übergewicht.
Durch die verschiedenen Geschmackstoffe der MM werden gestillte Kinder schon früh mit der Familienkost vertraut gemacht und auf die Beikost vorbereitet.


Beikost

MM ist alles, was ein Baby in den ersten sechs Lebensmonaten braucht, und somit benötigen gestillte Babys in dieser Zeit normalerweise keine zusätzlich feste Nahrung. Die magische Grenze »sechs Monate« ist keineswegs absolut zu sehen, sondern bietet nur einen Anhaltspunkt. Wenn es um die Frage geht, wie lange ein Baby voll gestillt werden kann, sollte vor allem das Kind selbst betrachtet werden. MM ist das allergenärmste Nahrungsmittel, das es gibt. Ein Kind, das zu Allergien neigt, zeigt oft erst mit acht, neun Monaten Interesse an fester Nahrung. Bei außergewöhnlich empfindlichen Kindern scheint dies ein natürlicher Schutzmechanismus zu sein. Hier kann bis zum neunten Lebensmonat voll weitergestillt werden, wenn der Kinderarzt ein gutes Gedeihen bestätigt.
Der ideale Beikostbeginn ist, wenn das Baby beginnt, großes Interesse an den Speisen auf dem Teller der Eltern zu zeigen. Bei einem gesunden, voll ausgetragenen Baby ist das etwa mit sechs Monaten der Fall, bei wenigen Kindern früher, bei gar nicht so wenigen später.
 
Der Übergang vom Stillen zum Familientisch sollte möglichst ganz allmählich und individuell. MM sollte mindestens ein Jahr lang die Hauptnahrungsquelle des Kindes sein. Sie ist eine absolut vollständige Nahrung und das Beste für das Kind. Sie bleibt auch nach dem sechsten Lebensmonat die wichtigste Quelle für Energie, Proteine, Vitamine, Mineralien und essentielle Fettsäuren. Daher ist eine Mangel- oder einseitige Ernährung in diesem Fall ausgeschlossen, denn die MM gibt den Ausgleich. Bei der Zubereitung der Beikost sollte darauf geachtet werden, dass kein Salz zum Essen gegeben wird. Zudem kann das Gemüse mit MM gemischt werden. Damit bekommt das Kind ausreichend Kalorien und das Essen hat einen Geschmack, den es bereits kennt. Von Dosengemüse oder Dosenobst ist abzuraten, da es nährstoff- und vitaminarm und mit Salz und Zucker angereichert ist. Eine gute Alternative zu frischen Lebensmitteln, ist tiefgefrorenes Gemüse. Optimal ist, wenn alle Lebensmittel frisch und aus biologisch kontrolliertem Anbau sind. Gläschennahrung und Fertigbreie sind zwar ab und an praktisch, jedoch nichtsdestotrotz Konserven und enthalten möglicherweise Zusatzstoffe. Außerdem sind sie teuer, schmecken alle ähnlich, enthalten Füllstoffe und haben fast ausschließlich alle dieselbe Konsistenz. Zusätzliche Getränke brauchen erst mit der Beikost eingeführt werden. Das Trinken sollte direkt aus der Tasse oder einem Becher erfolgen. Es ist wichtig, dass die Vorlieben und Abneigungen des Kindes respektiert werden. Kein Nahrungsmittel ist unersetzbar und lebensnotwendig. Wenn ein Kind ein gewisses Nahrungsmittel nicht mag, sollten einige Wochen abgewartet und es dann noch einmal versucht werden. Kinder, die  von klein an selbst über ihren Appetit und ihre Essmenge bestimmen dürfen und gesundes Essen sowie ein bewegter Lebensstil Bestandteil des Familienlebens sind, haben ein geringeres Risiko von  Übergewicht. Kindergartenkinder, die noch gestillt werden, leiden weit seltener und weniger ernsthaft an Infektionskrankheiten als solche, die nicht gestillt werden.
 
Das Stillen ist das Beste, was eine Mutter ihrem Kind in der ersten Lebensphase geben kann und es ist für beide erfüllend auf eine schöne, befriedigende Stillzeit zurückblicken zu können.


Zusammensetzung der Muttermilch

Die Zusammensetzung der Muttermilch (MM) variiert. Sie wird beeinflusst durch das Stadium der Laktation (Kolostrum, Transitorische MM, Reife MM, Entwöhnungsphase), das Gestationsalter des Babys (Früh- oder Termingeborene) und der Ernährung der Mutter (Fettsäurenprofil, Vitamingehalt, einige Mineralien. Der Fettgehalt der Muttermilch wird beeinflusst durch die Dauer einer Stillmahlzeit, Stillverhalten des Babys, Parität, mütterlicher Ernährungsstatus, Rauchen etc..
 

Laktationsstadien
 
Kolostrum
Wird in den ersten 5 Tagen postpartumgebildet. Es ist gelblich (β-Karotin), von dickflüssige Konsistenz und in den ersten Tagen zwischen 2-20 ml pro Stillmahlzeit vorhanden. Kolostrum enthält dreimal so viel Protein wie reife Muttermilch. Die Immunfaktoren, wie sekretorisches IgA und Laktoferrin sind hochkonzentriert. Es ist fett- und laktosearm, sehr vitamin- (Vit A, E) und mineralstoffreich und somit ideal für die ersten Mahlzeiten eines Neugeborenen, damit der kleine Körper nicht belastet wird. Gleichzeitig wird durch das Kolostrum die Mekoniumausscheidung angeregt. Kolostrum fördert das Wachstum des Laktobazillus Bifidus im Darm und es hat eine stabilisierende Wirkung auf den Blutzucker. Ein gesundes Neugeborenes benötigt keine Zufütterung von Glucose und/oder künstlicher Milch! (Quelle: Academy of Breastfeeding Medicine, Protokolls Supplementation and Hypoglycämia)
 
Transitorische Milch (Übergangsmilch)
Wird etwa zwischen dem 6.-13. Lebenstag gebildet und ändert sich in der Zusammensetzung bis zur Bildung von reifer Muttermilch.. Alpha-Laktalbumin, Lipiden und Laktose steigen an, während die Proteine IgA, IgG, Lysozym, Laktoferrin, Natrium und Eisen nun geringer werden..
 
Reife MM
Wird in der Phase der Laktationserhaltung gebildet. Die Milchmenge beträgt nach 14 Tagen, über das System von Angebot und Nachfrage (je öfter der Säugling die Brust stimuliert, desto mehr Milch wird gebildet) circa 500-700 ml /Tag. 
 
Die Entwöhnungsphase
Beginnt mit der Einführung von zusätzlicher Nahrung. Wird neben der Beikosteinfuehrung weiter gestillt, steigen Protein (um 42%), Natrium (120%) und Fett an, während sich der Eisen- und Laktosegehalt verringert. Der Calciumgehalt ist gleichbleibend. Die Immunsstoffe IgA, Laktoferrin und Lysozym steigen wieder an und bieten dem Kind, das zunehmend beginnt seine Welt zu erkunden und dadurch im erhöhten Maße in Kontakt mit Bakterien ec. kommt, weiterhin Schutz. 
 
 
Zusammensetzung reifer MM
 
Wasser
MM besteht aus 88% aus Wasser. Das unterstützt den Wasserhaushalt des Neugeborenen und dient zur Temperaturreglung. Eine zusätzliche Gabe von Wasser ist daher unnötig.
 
Kohlenhydrate
Die Laktose ist das wichtigste Kohlenhydrat der MM und deckt zu ca. 40% den Energiebedarf eines Babys. Ihre Konzentration in der MM ist relativ konstant (6,2-7,2 g/100ml) und sie lässt sich nicht durch die Ernährung der Mutter beeinflussen. Auch das laktoseaufspaltende Enzym Laktase ist in der MM vorhanden und ergänzt so die noch nicht vollkommen ausgebildete Fähigkeit des Neugeborenen, im Darm Laktase zu bilden. Durch Laktase vorzerlegt, wird Laktose vollständig zu Galactose und Glucose abgebaut.
Glucose stellt Energie für körperliche Aktivität zur Verfügung. Galaktose ist essentiell für die Produktion von Galaktolipiden, welche für die Entwicklung des Zentralen Nervensystems unentbehrlich ist. Die Laktose fördert die Calciumaufnahme des Babys, liefert schnelle Energie für den Stoffwechsel und die Gehirnentwicklung und regt die Darmperistaltik an. In der MM sind in niedrigerer Konzentration Oligosaccharide, Glykoproteine, Polysaccharide, Glukosamine enthalten. Sie sind u.a. mit dem Bifidusfaktor, der nur in menschlicher Milch vorkommt, an der Wachstumsförderung des Laktobazillus Bifidus beteiligt und tragen so zur optimalen Darmflora des muttermilchernährten Babys bei.
 
Lipide 
Die Fette der MM sind der Hauptenergielieferant (ca. 50% der Kalorien). Die Konzentration wird durch das Stillverhalten beeinflusst und ist in der Zusammensetzung die variabelste Substanz. Je länger die Intervalle zwischen den Stillmahlzeiten sind, desto niedriger ist der Fettgehalt, wobei die sogenannte Hintermilch am Ende einer Stillmahlzeit bis zu fünf mal mehr Fett enthält als die Vordermilch, die den Durst des Kindes löscht. Triglyceride stellen den höchsten Anteil der MMfette dar und werden durch das Enzym Lipase in Glycerin und freie Fettsäuren aufgespalten. Lipase ist im Darm des Kindes und in der MM enthalten. Dadurch wird die Fettverdauung erleichtert.
Das Verhältnis zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren ist relativ stabil (42% zu 57%).
Innerhalb der ungesättigten Fettsäuren sind vor allem die langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren wichtig (LC PUFA), denn sie können entweder gar nicht oder nur eingeschränkt gebildet werden. Daher müssen sie regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Je nach Struktur werden die langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Omaga-3- und Omega-6- Fettsäuren eingeteilt. Sie sind wichtig für die Gehirnentwicklung, die Myelinisierung der Nerven, der Entwicklung der Retina und Sehkraft. Der Anteil dieser Fettsäuren ist in der MM etwa viermal so hoch, wie in Kuhmilch und wird durch die Ernährung der Mutter beeinflusst. Der Gesamtfettgehalt in der MM obliegt jedoch eher dem Stillmanagement.
Verschiedene freie Fettsäuren und Monoglyceride der MM wirken antiinfektiös. Der Resitencefaktor ist Teil einer freien Fettsäure und wirkt gegen Streptokokken!
Der Fettanteil der MM beinhaltet ebenfalls die fettlöslichen Vitamine, Phospholipide und Cholesterin. Letzterer ist in der MM höher, als in der Kuhmilch. Es wird vermutet, dass diese Tatsache einen ausgeglicheneren Cholesterinhaushalt im Erwachsenenalter mit sich bringt und das Risiko für koronare Herzkrankheiten senkt.
 
Protein
Reife MM enthält 0,8-0,9 g Eiweiss/100ml, was circa 70-75% des Gesamtstickstoffgehaltes ausmacht und für ein gutes Gedeihen des Kindes ausreichend ist. Eine zu hohe Eiweißzufuhr wuerde die Nieren belasten. Die anderen 25-30% sind nicht eiweißgebundener Stickstoff, vor allem Nukleotide und Harnstoff. Dazu eine Anzahl freier, essentieller Aminosäuren wie Leucin, Valin und Thyeonin. 
Alle in der MM enthaltenen Proteine haben dienen z.B. als Verdauungsenzyme und Antikörper. Nachdem sie diese Funktion erfüllt haben, werden sie zu Ernährungszwecken abgebaut und dienen dann als Nährstoffe oder Baustoffe zur Bildung von DNA und RNA. In der MM sind alle essentiellen Aminosäuren vorhanden, ebenso wie Cystin und Taurin, die wichtig für das Körperwachstum sind und eine wichtige Rolle bei der Fettverdauung durch Gallensäure, bei der Entwicklung des Gehirns und des zentralen Nervensystems, sowie der Retina spielen. Der hohe Gehalt an Zytokinen unterstützt die Entwicklung und Reifung des Immunsystems. Gestillte Kinder haben im Vergleich zu nichtgestillten eine deutlich größere Thymusdrüse.
Die in der MM vorhandenen Proteine sind entweder der Kasein (20-40%) oder der Molkefraktion (60-80%) zuzuordnen. Das Kasein gerinnt nur grob und ist damit schwer verdaulich ist, wobei sich menschliches Kasein physiochemisch vom Kuhmilchkasein unterscheidet. Es unterstützt durch die Bildung von Kaseinmicellen im Gegensatz zur Kuhmilch die Aufnahme von Kalzium und Phosphor. Die Molkeeiweisse bestehen vorwiegend aus Alpha-Laktalalbumin, Serum-Albumin, Laktoferrin, Immunglobulinen (vor allem sIgA) und Lysozym und spielen bei der Immunabwehr eine wichtige Rolle.
Laktoferrin kommt nur in MM vor. Es bindet Eisen und nimmt damit den Bakterien ihre Wachstumsgrundlage.
 
Immunglobuline (IgA, IgG, IgD, IgE, IgM)
Das wichtigste Immunglobulin der MM ist das sekretorische IgA . Es wird in der Brustdrüse gebildet und gespeichert. Es wirkt gegen ein breites Spektrum von Bakterien und Viren, lagert sich am Epithelium des Darms an. Es bietet einen besonderen Schutz gegen Allergien und Nahrungsintoleranz. Bei schwerer Unterernährung der Mutter (< 1000 Kcal) sinkt der sIgA-Gehalt der MM, so wie auch andere immunologische Komponenten.
Lysozym ist ein unspezifischer antimikrobieller Faktor und in der MM 3000-fach höher konzentriert als in Kuhmilch. Es hat die Fähigkeit Bakterienwände zu spalten. Der Lysozymgehalt der MM steigt im Laufe der Stillzeit an! B12-Bindungsprotein bindet das Vit. B12, sodass es für Bakterienwachstum nicht zur Verfügung steht.
 
Zelluläre Komponenten
MM enthält ca. 4000 lebende Zellen / mm³: Makrophagen, Lymphozyten, Neurophile, Granulozyten und Epithelien. 90 % davon sind „Fresszellen“. Sie greifen fremde Keime an und lösen sie auf (Pilze, Bakterien, Latex).
 
Mineralstoffe und Spurenelemente
Als Asche wird der Gesamtgehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen bezeichnet. Der Mineralstoffgehalt (außer Mg) ist in den ersten Tagen postpartum am höchsten. Die Ernährung der Mutter beeinflusst den Mineralstoffgehalt der MM nur minimal, weil der Organismus über eigene Regulationsmechanismen und Reserven verfügt.
Kalium= in den ersten 5 Tagen postpartum deutlich erhöht (Schutz vor Dehydration)
Calcium= dreimal weniger als in Kuhmilch vorhanden, wird jedoch durch das ideale Calcium-Phosphor-Verhältnis und hohem Laktosegehalt wesentlich besser resorbiert!
Eisen= normalerweise ist das Hämoglobin eines Neugeborenen sehr hoch, sinkt jedoch rasch ab. Auch wenn der Eisengehalt der MM gering ist, braucht ein gesundes, termingeborenes Baby keine Supplementation vor dem 6.-7- Lebensmonat, denn das Eisen aus der Muttermilch wird dank des hohen Laktose- und Vitamin C-Gehalts besser aufgenommen, als Eisen aus der Kuhmilch! Auch hat die frühe Beikostgabe einen negativen Einfluss auf die Eisenabsorptionsrate, Eisengaben erhöhen die Gefahr des Wachstums schädlicher Bakterien und verändern die Darmflora negativ!
Zink= ist essentiell für das Wachstum des Kindes und die Zellimmunität, sowie für den Aufbau und Funktion von Enzymen.
Fluor= der Fluorgehalt ist niedrig und von der Ernaehrung der Mutter abhängig. Fluor soll dem Kind erst an dem 6. Lebensmonat gegeben werden, wenn das Trinkwasser nicht fluoridhaltig ist.
Chlor= Ein Mangel kann Gehirnschäden verursachen.
 
Vitamine
Alle Vitamine sind in der MM normaler Weise ausreichend vorhanden, die Konzentration kann bei einigen von der Ernährung der Mutter beeinflusst werden. Vorhanden sind fettlösliche Vitamine: A,D,E,K und wasserlösliche Vitamine: B1, B2, B6, B12, C, H
 
Hormone
MM enthält viele Hormone (Prolaktin, Oxytocin, Adrenal- und Ovarialsteroide, Prostaglandine, Insulin, Gonadotropin-Releasing-Hormon, Schilddruesenhormone…)
 
Enzyme
In der MM sind mehr als 20 Enzyme nachgewiesen. Der Grossteil sind Molkenproteine.
 
Wachstumsfaktoren
MM enthält wachstumsfördernde und wachstumsregulierende Faktoren.


Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Autorin: Regina Masaracchia
www.stillenbeispalte.org
Das generelle Risiko einer angeborenen Fehlbildung liegt in der Bevölkerung bei 3 %. Circa jedes 500 ste Baby wird mit einer Spaltfehlbildung geboren, was bedeutet, dass diese Fehlbildung nach den Herzfehlern die zweithäufigste ist. Insgesamt werden in Deutschland circa 1500 bis 1800 Kinder im Jahr mit einer Spaltfehlbildung geboren. Am häufigsten (80%) sind die einseitigen, durchgehenden Spalten, wo Lippe, Kiefer und Gaumen betroffen sind (im Volksmund “Hasenscharte” genannt. Mittelalterlicher Sprachgebrauch, mit Vergleichen aus der Tierwelt, ist für Betroffene jedoch diskriminierend und sollte unbedingt vermieden werden.!) Die Spalte kann auch beidseitig, vollständig oder unvollständig sein, manchmal ist auch nur die Lippe, Lippe plus Kiefer oder isoliert der Gaumen betroffen. Die Mikroform ist das gespaltene Zäpfchen.
 
Die genauen Ursachen sind noch unbekannt. Man vermutet jedoch, dass die wachsende Umweltverschmutzung, Rauchen, Drogen, Alkohol, Medikamente, Vitaminmangel, Infektionskrankheiten oder schwerer Stress in der Frühschwangerschaft, eine Durchblutungsstörung im Bereich der betroffenen Region im Mutterleib hervorruft und für die Fehlbildung verantwortlich sein könnte. Wahrscheinlich müssen aber erst mehrere Faktoren zusammenkommen (multifaktoriell), damit sich eine Spaltfehlbildung manifestiert. Auch eine genetische Belastung ist möglich, denn bei circa jedem 5. betroffenen Kind findet sich eine Spaltfehlbildung in der Familie, wobei sie Generationen zurückliegen kann. Bei Schwangeren wirkt die Einnahme von Folsäure und Vitaminpräparaten präventiv; eine ausreichende Substitution sollte am besten schon vor der Schwangerschaft beginnen.
 
Nach der Geburt eines Neugeborenen mit einer Spaltfehlbildung sollte eine Trennung von der Mutter vermieden werden, damit eine enge Mutter-Kind-Bindung entstehen kann. Generell gilt: wenn das Baby keine weiteren Krankheiten, Fehlbildungen oder ein Syndrom hat, ist es wie ein ganz normales, gesundes Neugeborenes zu behandeln! Bonding und Rooming in sollten unbedingt ermöglicht werden, ja selbstverständlich sein!
 
Sehr wichtig ist das Stillen. Oft ist das Gesundheitspersonal wenig informiert und wie die Mutter, von dem oft schwer fehlgebildeten Mündchen verunsichert. Unmittelbares Anlegen nach der Geburt ermöglicht Mutter und Kind wieder Eins zu werden. Das Anlegen bedeutet hier ein Stück Normalität in einer oft unvorbereiteten, schockierenden Situation und kann somit als Therapie angesehen werden. Die Eltern müssen Abschied vom “perfekten” Kind nehmen, Stillen tröstet und gibt Kraft für die bevorstehende anstrengende Zeit. Durch den häufigen und regelmäßigen Hautkontakt, fühlt sich das Kind von seiner Mutter angenommen und geliebt, was der Grundstock für eine stabile, vertrauensvolle Beziehung ist. Da Stillen nicht nur eine Ernährungsform ist, sondern unendlich viel mehr bedeutet, steht zunächst weniger die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, sondern wichtig ist, den einzigartigen Kontakt, der das Stillen bietet, zu garantieren. Hormone, die beim Stillen ausgeschüttet werden, lassen die Mutter entspannter sein und läßt die Liebe zueinander leichter wachsen.
 
Des weiteren besitzt die Muttermilch eine ideale Nährstoffzusammensetzung und Antikörper, die das Baby vor Infektionen schützt. Des Weiteren passt sich nur die weiche Mutterbrust ideal den veränderten Mundverhältnissen an. Außerdem wird die fehlgebildete Mundmuskulatur des Kindes beim Stillen gestärkt, was das Operationsergebnis optimiert.
 
Bei Lippen- und Lippen-Kieferspalten ist das Stillen meist problemlos möglich, ist der Gaumen betroffen, sollte die Mutter angeleitet werde, so bald wie möglich nach der Geburt die Brust durch eine Brustpumpe zu stimulieren. Damit wird die Muttermilchproduktion angeregt. Die abgepumpte Muttermilch kann dann ohne großen Aufwand durch eine sterile Spritze in den Mundwinkel des Kindes geträufelt werden, WÄHREND es angelegt ist. Damit ist eine ausreichende Nahrungsaufnahme gewährleistet. Mutter und Kind sind glücklich! Bei dieser Art von Zufütterung bleibt die Prägung an der Brust erhalten, was bei der Zufütterung mit der Flasche nicht gegeben ist. Die Gefahr einer Saugverwirrung, die auch bei “normalen” Babys häufig vorkommt, wenn oft zwischen Flasche und Brust gewechselt wird, ist dann groß und das Baby lehnt als Konsequenz die Mutterbrust ab, was wiederum Verzweifelung bei der Mutter auslöst. Auch der Nuckel kann dies bewirken. Deshalb sollte er immer erst, wenn überhaupt, nach 6-8 Wochen zum Einsatz kommen und so oft wie nötig, so selten wie möglich, gezielt, wie ein Medikament eingesetzt werden! Trostnuckeln sollte an der Brust stattfinden, am realen, geliebten Menschen- der Mutter und nicht an einem Ersatzobjekt aus Gummi!
Die sofortige Kontaktaufnahme zu einer Stillberaterin IBCLC ist ratsam (www.stillen.org). Außerdem sollte möglichst noch am Geburtstag vom Kieferortopäden- oder chirurgen eine Mund-Nasen-Trennplatte, auch Gaumen- oder Trinkplatte genannt, angefertigt werden, die vor allem die Zunge in ihre physiologische Position zurückbringt und auch beim Stillen hilfreich ist.
 
Die Fehlbildung beeinträchtigt das betroffene Kind nicht nur äußerlich, sondern auch bei der Nahrungsaufnahme, Mimik, Schlucken, Atmen, Hören und Sprechen. Es muss demnach ein interdisziplinäres Zusammenwirken von Personal verschiedener Fachgruppen stattfinden: Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen, Kieferorthopäden, Kinderärzte, Still- und Laktationsberaterinnen einerseits, aber auch HNO-Ärzte, Phoniater und Pädaudiologen andererseits müssen Hand in Hand arbeiten, um aus der Fehlbildung keine Fehlentwicklung werden zu lassen.
 
Die Spaltfehlbildung ist reparable und wird operativ geschlossen. Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Beim mehrzeitigen Konzept wird die Spalte entweder von innen nach außen oder von außen nach innen, in verschiedenen Lebensmonaten und –jahren geschlossen. Die zweite, neuere Möglichkeit des Spaltverschlusses ist das “Basler Konzept”, wo die gesamte Spalte um den sechsten Lebensmonat herum, oft auch schon früher, komplett geschlossen wird (www.lkg-ade.ch). In Deutschland wird dieses Verfahren von Prof. Dr. Sader an der Uniklinik Frankfurt (https://www.klinik.uni-frankfurt.de) erfolgreich praktiziert. Das heißt nicht, dass nicht evtl. weitere Operationen folgen können, aber sie sind nicht mehr zwangsläufig nötig. Eine Eurostudie
Operationskonzepte zu gleich guten Ergebnissen führen. Wichtig ist, dass betroffene Eltern sich im Vorfeld gut über alle Operationsmethoden informieren, sich die Klinik und den Arzt ansehen, eine vertrauensvolle Beziehung zum Operateur aufbauen und dann ihre persönliche Entscheidung treffen.  
 
Da Muttermilch schneller verdaut wird, reicht eine präoperative Nüchternzeit von 2 Stunden. Postoperativ braucht das Stillen nur für ein paar Stunden unterbrochen werden, d.h. das Kind kann angelegt werden, sobald es das möchte. Die vertraute Mutterbrust tröstet über den Wundschmerz hinweg, es werden weniger Schmerzmittel benötigt und zudem wirkt Muttermilch heilend. Verweigert das Kind länger die Brust, sollte die Mutter sobald wie möglich mit dem Abpumpen beginnen, damit das Milchangebot durch die verminderte Nachfrage nicht zurückgeht.
Eine nicht saugverwirrende Zufütterung mit dem Becher oder einem Löffel kann dann angezeigt sein.
 
Die Hör- und Sprachentwicklung verläuft meist ganz normal. Jedoch ist hin und wieder logopädische Unterstützung und relativ häufig das Einsetzen von Paukenröhrchen nötig, um eine bessere Ohrbelüftung und eine Reduzierung von Mittelohrentzündungen zu erreichen.
Der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe ist empfehlenswert (Selbsthilfevereinigung für Lippen-Gaumenfehlbildungen e.V. Wolfgang-Rosenthal-Gesellschaft, www.lkg-selbsthilfe.de)
 
Zusammenfassend ist zu sagen, dass es immer eine große Herausforderung ist, ein Kind mit einer Spaltbildung zu gebären und besonders das Stillen fordert viel Kraft und Ausdauer. Die Betreuung von Pflegepersonen, deren Wissen auf dem neusten Stand ist, die freundlich und ohne Scheu auf die Eltern und das Kind zugehen, Mut machen und ihnen Zeit geben, ist in dieser Situation das größte Geschenk!


Stillende Promis

   Aurorin: Regina Masaracchia
Die Promis machen es uns vor! Heidi Klum hat jedes ihrer Kinder gestillt und findet es einfach wunderbar praktisch. Ihr Baby ist immer bei ihr und beide genießen es sichtlich. Wo immer Heidi auch um die Welt jettet, Mamas Brust ist angewachsen und gibt das gesündeste was es für ein Baby geben kann: Muttermilch! Kein Gedanken, den man an Kunstmilch und sterilen Fläschchen verschwenden muss, sondern Frau kann sich entspannt auf das wesentliche konzentrieren: Babys Bedürfnisse und das ist Hautkontakt haben! Mama, wann immer man sich danach sehnt, riechen, sehen, hören und fühlen können! Das gibt Urvertrauen, fördert die Mutter-Kind-Bindung und kann durch nichts und niemanden ersetzt werden!
 
Was früher ganz normal war, weil es keine Alternative gab, ist heute ein ‚kann’ und kein ‚muss’ mehr. Obwohl jeder weiß, wie wichtig gesund Ernaehrung ist, besonders am Lebensbeginn, wo das Baby auf ein einziges Lebensmittel angewiesen ist. Über 90 Prozent aller Frauen könnten problemlos stillen. Heute entscheiden sich aber gerade Frauen für das Stillen, die sich schon vor der Geburt mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Frei nach dem Motto „Ich würde ja auch nicht unvorbereitete bei der Fahrprüfung erscheinen“, informieren sich werdende Mütter, besuchen Geburtsvorbereitungs- und Stillkurse und sprechen mit Frauen, die gerne stillen, denn nur von denen kann Frau lernen. Auch Bücher, DVD’s und Internetforen stehen hoch im Kurs.
 
Eine Gute Vorbereitung und wissen was man möchte und was nicht, ist die beste Vorbeugung, um Pleiten, Pech und Pannen gekonnt aus dem Weg zu gehen. Und Pleiten, Pech und Pannen gibt es leider zuhauf. Viele Frauen stillen nach den ersten wunden Brustwarzen ab, interpretieren das Weinen ihres Babys falsch, fürchten nicht genug Milch zu haben oder setzen sich ein Limit, was ganz und gar nicht den Empfehlungen der WHO und Unicef entspricht. Diese lautet nämlich sechs Monate voll zu stillen, dann langsam Beikost anbieten (kein Zwang!), wobei diese die Muttermilch ERGÄNZEN und nicht ersetzen soll und weiter über das 2. Lebensjahr hinaus zu stillen, so lange es Mutter und Kind wünschen. Die lebenswichtigen Abwehrstoffe in der Muttermilch begleiten ein Kind sein Leben lang und senken das Krankheitsrisiko um ein vielfaches. Und das auch noch umsonst! Nicht zuletzt ist stillen auch gesund für die Frau, denn es z.B. reduziert es das nachgeburtliche Blutungsrisiko und je länger frau stillt auch die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken.  
 
Und die Promis? Politikerin Dr. Silvana Koch-Mehrin, Moderatorinnen wie Bärbel Schäfer und Barbara Eligmann,Schauspielerin Mariella Ahrens und Sängerinnenwie Maria Hellwig, und die quirlige Sängerin Jessica Wahls von den ‚No Angels’ haben gerne gestillt und wissen, wie wichtig ein gesunder Start ins Leben für ihr Kind ist. Aber auch die Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen sagt etwas sehr wichtiges “..Stillen führt auf wunderbare Weise in den ersten Monaten dazu, dass man sich vollkommen auf den Anfang mit dem Kind einstellt, auf dem eine Bindung für den Rest des Lebens gründet.“ Und die Unsesco-Botschafterin und Präsidentin der Hannelore-Kohl-Stiftung Ute-Henriette Ohoven bringt es auf den Punkt: „Mit dem Stillen wird die Verbindung Mutter-Kind, die in der Zeit während der Schwangerschaft unbeschreiblich eng ist, in angemessener Weise fortgesetzt.“
 
Stillen ist immer eine gleichberechtigte Partnerbeziehung und von ‚verwöhnen’ kann hier gar keine Rede sein. Ja, hier darf ruhig so viel Liebe und Fürsorge wie möglich und nötig gegeben werden, durch intensiven Hautkontakt, der das stillen automatisch mit sich bringt. Das Tragetuch ist eine wundervolle Möglichkeit die vorgeburtliche ‚Baucherfahrung’ weiterzuführen und ist enorm wichtig für das Baby. Wenden Sie sich also ruhig beizeiten an eine Trageberaterin und investieren, statt in Flaschenwärmer und Kinderwagen, in einen Tragetuchkurs! 
 
Auch Hausgeburten sind stark im Kommen. Sowohl Supermodel Giselle Bündchen, als auch Nenas Tochter haben ihr Kind in den eigenen vier Wänden das Licht der Welt erblicken lassen. Was früher ganz normal war, ist heute wieder ‚in’. Wer Wert auf eine natürliche Geburt legt, legt meistens auch Wert auf eine gesunde Ernährung und somit stillen die meisten Hausgeburtsmütter selbstverständlich und haben die wenigsten Probleme, denn in seinem bekannten Umfeld zu entbinden bedeutet eine selbstbestimmte Geburt zu haben und somit sind Störung von Außen unwahrscheinlich. Gerade diese Störungen gibt es aber zwangsläufig im Krankenhaus, obwohl die WHO und Unicef babyfreundliche Kliniken, wo die Bedürfnisse von Mutter und Kind berücksichtigt werden, sogar auszeichnet www.babyfreundlich.org.
 
Und was tun bei Stillproblemen? Bitte wenden Sie sich vertrauensvoll an die nächste Stillgruppenleiterin www.lalecheliga.de, die Hebamme oder einer speziell dafür ausgebildeten Still-und Laktationsberaterin IBCLC wenden www.bdl-stillen.de. Groß wird Ihr Kind schneller als Ihnen lieb ist, also ran an den Busen der Natur! In diesem Sinne wünsche ich eine wundervolle, genussvolle Still-und Tragezeit, sowohl für Sie als auch für Ihr Baby!